Desinformation in der digitalen Öffentlichkeit

Soziale Medien und digitale Technologien schaffen ein neues Informations- und Mediensystem, das eine enorme Herausforderung für demokratische Prozesse und deren Institutionen gleichermaßen darstellt. Gleichzeitig kämpfen die alten journalistischen Gatekeeper im Digitalen gegen die Übermacht der Plattformen an und das in einer Zeit, in der zeitgemäße journalistische Geschäftsmodelle weitestgehend fehlen. Die Debatte um “Fake-News” steht symptomatisch für diesen Wandel, wie vor allem die Erfahrungen aus dem amerikanischen Wahlkampf zeigen.

Um den vielen öffentlichen Debatten empirische Daten gegenüberzustellen, haben wir zur Bundestagswahl 2017 das Phänomen „Fake News“ für Deutschland erstmals umfassend gemessen. Mittels umfangreicher qualitativer und quantitativer Medieninhaltsanalysen, die mit Befragungsdaten kontrastiert wurden, konnten wir zeigen, wer hierzulande Fake News teilt, verbreitet und wer versucht, sie richtigzustellen. Die Daten zeigen aber auch, dass Deutschland resilienter gegen Desinformation ist als die amerikanische Gesellschaft. Das liegt auch am pluralistischen deutschen Mediensystem, das auch im internationalen Vergleich viel Vertrauen in der Bevölkerung genießt.

Vor und während der Landtagswahl in Bayern sammeln wir weitere Daten zur Wirkung von Desinformation. Unser Ziel ist es, zu untersuchen, welche Ansätze gegen Desinformation, wie das Fact-Checking, erfolgreich sind und wie die Verbreitung manipulierter Informationen mit zunehmendem Populismus und fehlender Medienkompetenz zusammenhängt.

Unsere Arbeit im Bereich Fake News wird durch die Stiftung Mercator, die William and Flora Hewlett Foundation und die Stiftung Omidyar Network gefördert.

Die bisher wichtigsten erschienenen Papiere sind:

Deutschland vor der Bundestagswahl: Überall Fake News?! (August 2017)  

Das Papier enthält eine grundlegende Definition zum Begriff, theoretische Überlegungen (ist es ein neues Phänomen und warum sprechen wir gerade jetzt darüber und warum scheint Deutschland weniger anfällig dafür, als die USA) sowie als erstes Messbeispiel den „Fall Käßmann“

Verzerrte Realitäten: Fake News im Schatten der USA und der Bundestagswahl (Oktober 2017)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der kurz nach der Bundestagswahl durchgeführten Befragungsstudie zeigen, von wem Fake News geglaubt werden und was dies mit Mediennutzung und Vertrauen in Medien zutun hat.

Fake News – Die Methode (Dezember 2017)

Das Papier skizziert ausführlich die Methode auf dessen Grundlage im Projekt „Measuring Fake News“ die „deutsche digitale Öffentlichkeit“ auf die Verbreitung von Falschinformationen untersucht wurde.

Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017 (März 2018)

Der Abschlussbericht zur Bundestagswahl 2017 dokumentiert an zehn großen Case-Studies ausführlich, dass Fake News vor allem aus dem rechtspopulistischen und rechtsextremen Spektrum kommen. An der Verbreitung sind auch klassische Medientitel oder öffentliche Stellen beteiligt, oft versehentlich aufgrund unsauberer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, manchmal auch ganz bewusst.

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