Die Stiftung Neue Verantwortung ist kein rein wissenschaftliches Forschungsinstitut. Wie erarbeitet die Organisation Vorschläge und Expertenwissen?

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SNV sind Experten in ihren Themenbereichen und haben einen wissenschaftlichen Hintergrund. Unsere Themen bearbeiten wir mit einer bestimmten Methodologie: dem kollaborativen Problemlösen. Dieses ermöglicht uns Agilität und die Entwicklung von innovativen und tragfähigen Ideen. Unsere Methodologie folgt einem bestimmten Ablauf. Unsere Expertinnen und Experten führen zunächst einen Research Sprint durch, der im Gegensatz zu meist sehr umfänglich angelegten, konventionellen Studien das Ziel verfolgt, schnell ein Problem zu analysieren und erste Lösungsideen zu skizzieren.

Auf dieser Basis beginnt die zweite Phase: die radikale Prüfung. Im Austausch mit Experten aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung testen wir unsere Ideen in der Außenwelt. Es geht dabei darum, früh die guten von den schlechten Ideen zu trennen, sie  weiterzuentwickeln oder Ideen komplett zu verwerfen. Die radikale Prüfung ist kein einmaliges Ereignis, sondern wiederholt sich. Erst durch die Iteration entstehen innovative und tragfähige Lösungen, bei denen eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven eingeflossen sind. Das Ergebnis sind sehr konkrete und umsetzbare Politikvorschläge, die breite Unterstützung finden.

Warum trägt die Stiftung Neue Verantwortung den Begriff “Stiftung” im Namen, ist aber ein eingetragener Verein?

Hinter dem Begriff Stiftung verbergen sich viele Rechts- und Organisationsformen. Wir haben uns bewusst für den Verein als Rechtsform entschieden. Der Verein braucht kein Kapital und die Rechtskosten sowie der Bürokratieaufwand halten sich in Grenzen. Den Begriff “Stiftung” tragen wir bewusst im Namen, um den gemeinnützigen Auftrag unserer Arbeit zu verdeutlichen.

Welche Themen bearbeitet die SNV?

Eine Übersicht unserer aktuellen Themen erhalten Sie hier.

Wie viele Menschen arbeiten bei der SNV?

In unserer Organisation arbeiten derzeit 17 Personen. Davon bringen 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Expertise in unsere inhaltliche Arbeit ein.

Wie finanziert sich die SNV?

Um unsere inhaltliche Unabhängigkeit zu gewährleisten und unserer Arbeit zugleich einen stabilen institutionellen Rahmen zu geben, haben wir uns für eine Mischfinanzierung durch möglichst viele unterschiedliche Förderer entschieden. Die Stiftung Neue Verantwortung (SNV) verfügt im Jahr 2016 über ein Gesamtbudget von 1,2 Millionen Euro. Derzeit finanzieren 20 Förderer aus dem Stiftungssektor, dem öffentlichen Sektor und der Wirtschaft die Arbeit des Think Tanks.

Die größte Gruppe unserer Geldgeber sind gemeinnützige Stiftungen wie beispielsweise die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator, die Bertelsmann Stiftung oder die Open Society Foundation. Derzeit finanzieren acht verschiedene Stiftungen unsere Arbeit und machen etwa 70 Prozent unseres jährlichen Gesamtbudgets von circa 1,2 Millionen Euro aus. 20 Prozent unseres Geldes kommt aus zweckungebundenen Unternehmensspenden.

Zu den derzeit 14 Unternehmensspendern zählen unter anderem die Allianz, Evonik, Knauf, KPMG oder IBM Deutschland, wobei kein einzelnes Unternehmen mehr als 5 Prozent des Gesamtbudgets stellen darf. Die verbleibenden 10 Prozent werden von öffentlichen Institutionen (z.B. Ministerien) und Universitäten getragen. Detailliertere Informationen finden sie hier. Auch die Mietkosten für die zentral am Potsdamer Platz gelegenen Räumlichkeiten der SNV werden im Sinne einer Spende vom Eigentümer der Immobilie – der Beisheim Holding – getragen.

Welche Rolle spielen die Gremien der SNV (Mitgliederversammlung und Präsidium)?

Die Intersektoralität – das Zusammenkommen unterschiedlicher Disziplinen und Denkwelten – bildet den Kern unserer Arbeitsweise und bestimmt die Zusammensetzung unserer Gremien. Wir achten auf eine Mischung aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

Sowohl die Mitgliederversammlung als auch das Präsidium tagen einmal im Jahr. Die Rollenverteilung der beiden Gremien sieht im Großen und Ganzen wie folgt aus: Die Mitglieder be- und abberufen die Präsidiumsmitglieder und ernennen die/den Vorsitzende/n des Präsidiums.

Das Präsidium entscheidet über die strategische und thematische Ausrichtung der Stiftung, beruft und entlastet die Geschäftsleitung, beschließt das Jahresbudget und kontrolliert die Geschäftleitung in ihrer Buchführung.  

Was ist die Geschichte der Stiftung Neue Verantwortung?

2008 wurde die Stiftung Neue Verantwortung vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise gegründet. Ziel war es, Nachwuchskräfte zu sensibilisieren und zu befähigen, Verantwortung für drängende gesellschaftliche Herausforderungen zu übernehmen. Die SNV wurde dazu als Plattform gegründet, auf der sich junge Vertreter der Wirtschaft, der Politik/Verwaltung, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft sektor- und siloübergreifend zu einer Bandbreite von Zukunftsthemen der Gesellschaft austauschen konnten. Dazu zählten Intelligente Stromnetze, Government Foresight, Urbane Industriepolitik oder europäische Sozialpolitik.

Zu den Gründungsorganisationen zählten die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, der Deutsche Sportbund und das Unternehmen Egon Zehnder International. Bekanntheit und Anerkennung erlangte die Organisation vor allem durch ihre intersektorale und kollaborative Arbeitsweise. Sie wurde zum Markenzeichen der Stiftung Neue Verantwortung. Gründungsmitglieder in den operativen Geschäften von 2008 bis 2014 waren Lars Zimmermann, Tobias Leipprand und Dr. Timo Noetzel.

In den Jahren seit der Gründung hat sich die Organisation inhaltlich und strukturell weiterentwickelt. Besonders in den Themenbereichen des technologischen Wandels konnte die Stiftung mit ihrer Arbeitsweise Erfolge erzielen. Im Jahr 2015 hat das Präsidium den Vorschlag der Geschäftsführung angenommen, aus der SNV eine Expertenorganisation für die politischen und gesellschaftlichen Fragen des technologischen Wandels zu machen.