Wege aus der Exzellenzfalle - Ideen für eine aktive Hochschulpolitik

Wege aus der Exzellenzfalle - Ideen für eine aktive Hochschulpolitik

Podiumsdiskussion

Welche Folgen hat die Exzellenzinitiative der Bundesregierung auf die Zusammensetzung der Studierendenschaft an deutschen Universitäten? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die deutsche Hochschulpolitik?

Durch die Exzellenzinitiative erhielt die deutsche Hochschullandschaft einen Impuls zur Stärkung einzelner Hochschulstandorte. Dies betrifft nicht nur die Forschung, sondern wirft auch im Blick auf die Rekrutierung von Studierenden neue Fragen auf. Die intersektoral und interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppe "ExzellenzCampus" hat in ihren Untersuchungen festgestellt, dass sich die Verteilung der Studierenden in Deutschland quantitativ und qualitativ verändert hat. Als Herausforderung wird die „Homogenitätsfalle“ – das Risiko einer Konzentration nicht nur besonders leistungsstarker, sondern auch sozio-ökonomisch überdurchschnittlich gut gestellter Studierender an Exzellenzuniversitäten – gesehen. Hinzu kommt die „Demografiefalle“ – die Gefahr, dass langfristig deutlich weniger junge Menschen einen Studienplatz suchen, was besonders die Universitäten treffen wird, die im Exzellenzwettbewerb nicht erfolgreich waren.

Namhafte Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft wirkten durch Expertenbriefings an dem Projekt mit, dessen Ergebnisse und abgeleitete Handlungsempfehlungen in einem Policy Brief "Wege aus der Exzellenzfalle" zusammengefasst sind. Die Diskussion des Papiers mit renommierten Bildungsexperten ist Anliegen der Veranstaltungen.

| MODERATION:

| Dr. Jacqueline Boysen , Journalistin und Studienleiterin bei der Evangelischen Akademie zu Berlin

Jacqueline Boysen arbeitete von 2005-2010 als Kulturkorrespondentin im Hauptstadtstudio des Deutschlandradio. Sie berichtete unter anderem über Bildungs- und Erinnerungspolitik, behandelte ethische, kulturelle und kirchenpolitische Fragen. Im Jahr 2000 veröffentlichte Jacqueline Boysen eine Biographie über Angela Merkel (zweite, erweiterte Auflage 2005) und 2010 „Das weiße Haus in Ost-Berlin“, eine Geschichte der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDR, mit der sie an der Universität Rostock promoviert wurde. Aktuell ist Frau Boysen als Studienleiterin für Zeitgeschichte und Politik für die Evangelischen Akademie zu Berlin tätig. Als Journalistin widmet sich Frau Boysen besonders Bildungsthemen sowie der deutsch-deutschen Vergangenheit und den Folgen der deutschen Teilung – sowohl als Berichterstatterin wie in Publikationen und als Moderatorin öffentlicher Veranstaltungen.

Edelgard Bulmahn war von 1998 bis 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung und gilt als die maßgebliche Kraft hinter der Entwicklung der Exzellenzinitiative. Sie ist Mitglied des Deutschen Bundestages und gehört dort zum Auswärtigen Ausschuss. Edelgard Bulmahn verbrachte nach dem Abitur ein Jahr in einem Kibbutz in Israel, studierte Politik und Anglistik auf Lehramt, arbeite als Studienrätin in Hannover und zog 1987 in den Deutschen Bundestag ein. In ihrer Amtszeit trieb sie zahlreiche Themen voran, u.a. den Ausbau des BaFöGs, die Einrichtung von Juniorprofessuren und des Emmy-Nöther-Programms.  Nach dem Wechsel der Bundesregierung von 2005 übernahm sie den Vorsitz des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie des Deutschen Bundestages, den sie bis 2009 innehatte. Seit Juli 2011 ist Edelgard Bulmahn zudem Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität".

Dr. Volker Meyer-Guckel ist einer der wichtigsten Hochschulexperten in Deutschland. Er studierte Anglistik, Philosophie und Chemie in Kiel, Belfast und New York und unterrichtete Amerikanische Kulturwissenschaft an der Universität Kiel, wo er 1992 promovierte. 1993 wechselte er in die Studienstiftung des deutschen Volkes, dort war er ab 1995 Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Von 1997 bis 1999 arbeitete er als Redenschreiber im Stab des Bundespräsidenten Roman Herzog zu den Themenschwerpunkten Wissenschaft, Bildung und Zivilgesellschaft. Seit 1999 ist er beim Stifterverband, seit 2005 stellvertretender Generalsekretär und Leiter und des Bereichs Programm und Förderung. 

Prof. Dr. Hans N. Weiler ist emeritierter Professor für Vergleichende Politikwissenschaft und Bildungsforschung der Stanford University und ehemaliger Rektor der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Nach seiner Promotion in Freiburg 1965 ist Weiler als Assistenzprofessor nach Stanford gegangen und dort bis auf eine dreijährige Zeit als Direktor des Internationalen Instituts für Bildungsplanung bei der UNESCO in Paris viele Jahrzehnte geblieben. 1993 ist er als Politikwissenschaftsprofessor und Rektor an die neu gegründete Viadrina berufen worden. Seine Erfahrung und Ideen brachte und bringt er in verschiedene Beiräte und Kuratorien ein, z.B. bei der Hertie School of Governance in Berlin, bei der Universität Erfurt, der Freien Universität Berlin, der Wirtschaftsuniversität Wien und dem UNESCO Forum on Higher Education, Research, and Knowledge. Das CHE kürte ihn 2004 zum Hochschulreformer des Jahrzehnts, Frankfurt an der Oder zum Ehrenbürger und die Bundesrepublik und die Republik Polen verliehen ihm ihre Verdienstorden. 

Mit: 

Edelgard Bulmahn (Bundesministerin a.D.);
Sebastian Litta (MPP, Fellow, Leiter der des Projektes "ExzellenzCampus");
Dr. Volker Meyer-Guckel (Stelllvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft);
Prof. Dr. Hans N. Weiler (emeritierter Bildungsforscher der Stanford University)

Datum: 
27.10.2011 - 18:30 bis 20:30
Ort: 
stiftung neue verantwortung
Berliner Freiheit 2
10785 Berlin
Deutschland