Thüringen: Und ewig lacht die AfD

SNV in den Medien

Die Wahl Thomas Kemmerichs zum thüringischen Ministerpräsidenten mit den Stimmen der AfD war das politische Großereignis der vergangenen Woche. Das Medienecho war gewaltig, die Zeitungen zeigten sich entsetzt - von "Bild" ("Wahl-Schande") bis "taz" ("Von Faschisten gewählt"). Eine beliebte Metapher dieser Tage war die einer "Brandmauer" nach rechts, die bröckelt oder gar bricht. Doch CDU und FDP betonten auf Bundesebene ihre Unvereinbarkeit mit den Rechtspopulisten. Nach Kemmerichs Rücktritt ist für die AfD machtpolitisch daher nicht viel gewonnen. Dennoch steht die Partei nun vielfach im Mittelpunkt der Debatte.

Der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland war am Tag nach der Wahl zu Gast in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner". Dort stellte er sich und seine Parteifreunde in Thüringen ausdrücklich als bürgerlich dar - im starken Gegensatz zur national-völkischen Ausrichtung des dortigen Landesverbands. "Herr Gauland konnte sagen: Wir haben einen bürgerlichen Kandidaten gewählt - wir, die bürgerliche Mitte. Und lange hat niemand widersprochen", kritisiert Sabine am Orde. Sie berichtet für die "taz" regelmäßig über die AfD und hat die Ereignisse in Erfurt vor Ort beobachtet.

Der Coup der AfD offenbare vor allem die Schwächen der anderen Parteien, betont Alexander Sängerlaub vom Thinktank "Stiftung Neue Verantwortung": "Der Sieg der AfD funktioniert ja nur, weil die anderen alle umgefallen sind. Und das ist eigentlich die Frage, die wir uns stellen müssen: Warum fallen die anderen um?". Doch anstatt sich ausführlich mit FDP und CDU auseinanderzusetzen, würden viele Medien der AfD zu großer Aufmerksamkeit verhelfen, so der Berliner Medienwissenschaftler.

 

Erschienen bei: 
ZAPP, das Medienmagazin, NDR
12. Februar 2020
Autoren: 

Nils Altland, Melanie Boeff

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