Fake News – Die Methode

Impulse

Die große Desinformationskampagne ist nun also doch nicht über die deutsche Öffentlichkeit hereingebrochen. Bis zuletzt wurde im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 darüber spekuliert, dass es noch zu einer massiven Störung des Urnengangs kommen könnte. Entweder durch Angriffe (russischer) Hacker auf die Wahlinfrastruktur am Wahltag selbst, durch die Veröffentlichung von erbeuteten Daten aus einem Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag im Jahr 2015 oder durch den massiven Einsatz von Fake News in den letzten Tagen vor der Wahl.


Die Befürchtungen speisten sich aus den Beobachtungen im US-Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump vs. Hillary Clinton. Die 20 erfolgreichsten Fake News hätten vor der Wahl zusammen mehr Reichweite in sozialen Netzwerken erzielt als die 20 erfolgreichsten echten  Nachrichten, resümierte die Nachrichtenseite Buzzfeed. Auch eine Studie des MIT zusammen mit der Harvard University zeigt den deutlichen Einfluss rechter Nachrichtennetzwerke, wie beispielsweise Breitbart, auf und ihre Rolle bei der Dekonstruktion und Neuinterpretation von Wirklichkeit. Auch wenn Wissenschaftler wie Hunt Allcott und Matthew Gentzkow rückblickend eher von einem geringen Einfluss von Fake News auf die amerikanische Wahl ausgehen: Im allgemeinen Bewusstsein spielten Fake News im US-Wahlkampf eine große Rolle – und ähnliches wurde auch für die deutsche Bundestagswahl befürchtet. Daher setzte die Stiftung Neue Verantwortung im Mai 2017 das Forschungsprojekt „Fake News“ auf. Das Erkenntnisinteresse:


Welchen Einfluss haben Fake News auf den Ausgang der Bundestagswahl 2017?


Um es vorweg zu nehmen: Keines der Schreckensszenarien bewahrheitete sich. Auch wenn der Ausgang der Bundestagswahl für viele Beobachter wegen des Erstarkens der AfD überraschend und erschreckend zugleich ist: Der öffentliche Diskurs, die Meinungsbildung im Vorfeld der Wahlen wurden anscheinend nicht signifikant durch Desinformationskampagnen und damit auch „Fake News“ beeinflusst.


Das bedeutet nicht, dass es diese Versuche nicht gab. So deckten Journalisten mehrere Versuche zumeist rechter Netzwerke auf, durch konzertierte Social-Media-Kommunikation die Öffentlichkeit zu beeinflussen. Und auch der gezielte Einsatz von Fake News hat natürlich stattgefunden. Nur: Entscheidend für den Wahlausgang scheinen sie nicht gewesen zu sein.


Um diese qualitative Einschätzung quantitativ stützen zu können, bedarf es jedoch der empirischen Analyse, die in unserem Fall aus einem inhaltsanalytischen Teilprojekt und aus der Befragung von Wählern ein Gesamtbild ergeben soll.

15. Dezember 2017
Autoren: 

Wolf-Dieter Rühl, Forschungsleiter "Measuring Fake News"

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