Künstliche Intelligenz und Außenpolitik

Das 21. Jahrhundert ist charakterisiert durch Vernetzung, Digitalisierung und Big Data. Künstliche Intelligenz (KI) basiert auf diesen großen Datenmengen, die heute jeden Bereich des Lebens durchdringen. Während KI es vor allem ermöglicht, Daten für die Weiterverarbeitung und den Erkenntnisgewinn nutzbar zu machen, sind die potenziellen Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie äußerst vielseitig. Das macht KI zur Schlüsseltechnologie unserer Zeit.

Die Entwicklung von KI-Strategien auf nationaler Ebene hat zur Absicht, einen optimalen Nährboden für die Entwicklung von KI-Technologien zu bieten. Dass KI in Zukunft für Wissenschaft, Gesellschaft und insbesondere für die Wirtschaft ein enorm wichtiges Erfolgskriterium darstellen wird, ist mittlerweile weitgehend akzeptiert. 

Die Entwicklung und Anwendung von KI wird auch Auswirkungen auf die Außenpolitik nach sich ziehen. Es kann sogar angenommen werden, dass das Politikfeld der Außenpolitik zukünftig von KI und weiteren neuen Technologien bestimmt wird und sie einen Schwerpunkt in diesem Bereich bilden werden. In der zivilen und militärischen KI-Entwicklung scheint bereits ein globaler Wettlauf zwischen den Staaten entbrannt zu sein.

Abhängigkeiten von Technologien bilden darüber hinaus zunehmend den Kern geopolitischer Auseinandersetzungen. Diese Debatten werden häufig unter dem Begriff der technologischen Souveränität geführt. Nur zaghaft werden außenpolitische Werkzeuge wie Rüstungs- und Exportkontrolle, Investitionsprüfungen (FDI-Screening) und Visakontrolle an die neuen Umstände angepasst. Obwohl KI auf der internationalen Bühne ausführlich diskutiert wird, besteht nach wie vor ein akuter Bedarf an der Erklärung der Grundlagen dieser Technologie und der Einordnung ihrer geopolitischen Auswirkungen.

Künstliche Intelligenz stellt die deutsche und europäische Außenpolitik vor vier zentrale Probleme: 

 

Handels- und wirtschaftspolitische Herausforderungen einer zunehmend KI-basierten Wertschöpfung

Der Zugang zu Daten, spezialisierter Hardware und Software und Fachkräften in der Erforschung von Algorithmen: Das sind die Voraussetzungen für die Entwicklung von KI-Technologien Amerikanische und chinesische Technologiefirmen nutzen diese Technologieressourcen bereits zu ihrem Vorteil. Ein neuer wirtschaftlicher Protektionismus zeichnet sich ab, um diese drei Kernkomponenten von KI-Technologienfür die eigenen wirtschaftspolitischen Ziele nutzen zu können. Deutschland und Europa sind hinsichtlich dieser Technologieressourcen zunehmend abhängig von anderen Staaten. Wie wird sich diese Abhängigkeit auf die Fähigkeit auswirken, kompetitive KI-Produkte zu entwickeln?

Die rasche Entwicklung und der Einsatz von KI-Systemen im privaten und öffentlichen Sektor wirft ethische und menschenrechtliche Fragestellungen auf

Durchbrüche im Machine Learning (insbesondere im sogenannten Deep Learning) haben neben anderen technologischen Fortschritten zu verbesserten Sprach- und Gesichtserkennungstechnologien geführt. KI-Technologien finden unzählige Anwendungen im privaten und öffentlichen Sektor. Doch die verbreitete Nutzung von KI schafft nicht nur Vorteile für Individuen. Es werden immer mehr Fälle bekannt, bei denen durch KI-Technologien grundlegende Menschenrechte verletzt werden. Gesichtserkennungssoftware, die Personen auf der Grundlage ihrer biometrischen Merkmale identifiziert, birgt zahlreiche Gefahren. Sie kann nicht nur präventiv zur Verbrechensbekämpfung eingesetzt werden, sondern auch repressiv zur Überwachung und Kontrolle von Bevölkerungen. Die Aufgabe der Außenpolitik ist es daher, die globalen Entwicklungen in diesem Bereich aktiv zu verfolgen und ihre ethischen und menschenrechtlichen Auswirkungen einzuschätzen.

Die Erhebung und Bewertung politisch relevanter Informationen zu Künstlicher Intelligenz im Ausland 

Das Verstehen und ständige Einordnen internationaler KI-Entwicklungen erfordert ein hohes Maß an Expertise, Kompetenzen und Ressourcen – eine der Stärken des auswärtigen Dienstes. Nicht nur technische Entwicklungen und kommerzielle Transaktionen, sondern auch gesellschaftliche Debatten und die Anwendung bestimmter Technologien durch Regierungen können kaum besser verfolgt und überwacht werden als von Diplomat:innen, die über regionale und lokale Fachkenntnisse verfügen. Deshalb kommt dem Aufbau von Kapazitäten innerhalb des auswärtigen Dienstes eine entscheidende Bedeutung zu. 

KI-Governance politischer und technischer Gremien  

Zunehmend engagieren sich nicht nur Nationalstaaten, sondern auch internationale Foren an der Gestaltung von Normen und Standards für KI - sowohl politisch als auch technisch. Internationale Gremien wie politische Gremien oder Normungsentwicklungsorganisationen (SDOs) unterscheiden sich vielleicht in Name, Mitgliedstruktur und Mission, weisen aber häufig Ähnlichkeiten in Bezug auf ihre Struktur und die von ihnen priorisierten Hauptthemen auf. Im Kontext von KI-Technologien liegt der Schwerpunkt aktuell auf ethischen Fragestellungen. Um als Außenpolitiker:in eine bedeutsame Rolle in der Steuerung von KI zu spielen, ist ein grundsätzliches Verständnis von politischen und technischen Foren notwendig, um mit ihnen in Zukunft strategisch zusammenarbeiten zu können.

Eine so globalisierte Technologie wie Künstliche Intelligenz benötigt verstärkte internationale Zusammenarbeit und weniger zwischenstaatlichen Wettbewerb. Die Governance einer so komplexen und dynamischen Technologie erfordert neben der nationalen Ebene vor allem Koordination auf regionaler und internationaler Ebene.

Im Projekt Künstliche Intelligenz & Außenpolitik kooperiert die Stiftung Neue Verantwortung mit der Stiftung Mercator und dem Auswärtigen Amt. 

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