Stärkung digitaler Öffentlichkeit

Die digitale Öffentlichkeit schafft ein völlig neues Informations- und Mediensystem, das zwar Kommunikationsprozesse demokratisiert, aber gleichzeitig neue Herausforderungen hervorbringt. Dazu zählen zum Beispiel Desinformationskampagnen und die Verstärkung hetzerischer, populistischer Sichtweisen, gerade auf digitalen Plattformen und in sozialen Netzwerken. Traditionelle journalistische Gatekeeper sehen sich der neuen Macht dieser digitaler Plattformen gegenüber gestellt und das auch noch in einer Zeit, in der funktionierende Geschäftsmodelle für Journalismus im digitalen Raum weitestgehend fehlen.

Technologieunternehmen, Medien, Politik und Gesellschaft sind sich dieses Umbruchs, der in der digitalen Öffentlichkeit vonstatten geht, bewusst. Doch der Umgang mit diesem tiefgreifenden Wandel ist in Deutschland bruchstückhaft. Es mangelt an systematischen Aktivitäten, die die Widerstandsfähigkeit von Internetnutzenden, Gesetzgebenden und Medienschaffenden gegenüber Desinformation und Online-Hetze stärken. Ebenfalls fehlt eine ganzheitliche Policy-Agenda: Bleibt es bei einzelnen Maßnahmen, freiwilliger Selbstregulierung und einem politischen Silodenken, wird weiterhin verkannt, dass Desinformation und Online-Hetze Symptome des digitalen Strukturwandels der Öffentlichkeit sind.

Welche Maßnahmen und Ansätze sind geeignet, um eben nicht allein die Symptome zu behandeln, sondern strukturelle Herausforderungen unserer digitalen Öffentlichkeit und der darunter liegenden Geschäftsmodelle anzugehen? Im Projekt-Cluster "Stärkung digitaler Öffentlichkeit" befassen wir uns mit dieser Frage.

Alexander Sängerlaub arbeitet dabei im Bereich "Resilienz" (Widerstandsfähigkeit). Er entwickelt derzeit ein Fortbildungskonzept in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt, um die Kompetenzen von Ministerien und Behörden im Umgang mit Desinformation zu stärken. Im Projektplan sind weitere Themen vorgesehen, etwa die Messung der digitalen Informations- und Nachrichtenkompetenz der Gesellschaft sowie zum Umgang des Journalismus mit Populismus. Hierbei knüpft Alexander Sängerlaub an die Erkenntnisse an, die er als Leiter der Projekte "Measuring Fake News" und "Desinformation in der digitalen Öffentlichkeit" gesammelt hat.

Das Projekt-Cluster enthält zudem den Bereich "Policy", der von Dr. Julian Jaursch geleitet wird. Denn aktuell suchen Gesetzgebende in vielen Ländern nach Lösungen, die unter anderem die Inhaltemoderation, den Jugendschutz, die Medienregulierung und das Wettbewerbsrecht berühren. In Deutschland gibt es Löschvorschriften, darüber hinaus bietet das Datenschutzrecht der EU Anknüpfungspunkte. All diese Bereiche hängen miteinander zusammen, wenn es um die Stärkung digitaler Öffentlichkeit geht. Wie können also bestehende Regeln für Plattformen verbessert werden? Wie können Gesetze, die für das analoge Zeitalter entwickelt wurden, angepasst werden? Sind neue legislative und regulatorische Vorgaben nötig und wenn ja, wie müssen sie ausgestaltet sein? Die Analyse dieser Fragen soll zu einem besseren Verständnis für regulatorische Eingriffe führen und konkrete Handlungsoptionen aufzeigen.

Papers published (all papers were published in German only):

Germany before the Federal Elections: Fake news everywhere?! (August 2017)

The paper contains a basic definition of the term, theoretical considerations (is it a new phenomenon and why are we talking about it now and why does Germany seem less susceptible to it than the USA) and the first measuring example, the "Käßmann case".

Distorted Realities: "Fake News" in the Shadow of the USA and the German Federal Elections (October 2017)

The most important findings from the survey conducted shortly after the Federal Elections show who believes Fake News and how this is related to media use and trust in the media.

Fake News - The Method (December 2017)

The paper outlines in detail the method on the basis of which we analyzed the dissemination of false information in the "German digital public sphere" for the "Measuring Fake News" project.

Facts instead of fakes. Causers, distribution channels and effects of Fake News in the 2017 Federal Election campaign (March 2018)

The final report on the 2017 Federal Elections documents in detail in ten large case studies that Fake News come primarily from the right-wing populist and right-wing extremist spectrum. Classic media or public agencies are also involved in the distribution, often accidentally due to sloppy press and public relations work, sometimes even deliberately.

Firefighters without water? Possibilities and limits of fact-checking as a means against disinformation (July 2018)

The paper uses a detailed analysis of the effect and function of fact checking to show its possibilities and limits as a countermeasure to disinformation in social networks. In addition to practical suggestions for improvement, it sees a fundamental need for action to strengthen the media competence of citizens and authorities.

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