Stärkung digitaler Öffentlichkeit

Stärkung digitaler Öffentlichkeit 

Digitale Plattformen, Apps und Informationsangebote öffnen für viele Menschen neue Kommunikationsräume, bringen aber gleichzeitig neue Herausforderungen mit sich. Dazu zählen zum Beispiel Desinformationskampagnen und die Verstärkung hetzerischer, populistischer Sichtweisen, gerade auf digitalen Plattformen und in sozialen Netzwerken. Traditionelle journalistische Gatekeeper sehen sich der neuen (Markt)Macht dieser digitalen Plattformen gegenübergestellt und das auch noch in einer Zeit, in der funktionierende Geschäftsmodelle für Journalismus im digitalen Raum weitestgehend fehlen. 

Technologieunternehmen, Medien, Politik und Gesellschaft sind sich dieses Umbruchs bewusst, doch der Umgang damit ist in Deutschland bruchstückhaft. Es mangelt an systematischen Aktivitäten, die die Widerstandsfähigkeit von Internetnutzenden, Gesetzgebenden und Medienschaffenden gegenüber Desinformation und Online-Hetze stärken und für Rechenschaftspflichten bei digitalen Plattformen sorgen. Ebenfalls fehlt eine ganzheitliche Policy-Agenda, denn einzelne Maßnahmen, freiwillige Selbstregulierung und ein politisches Silodenken sind für den Umgang mit digitalen Plattformen und digitalen Informationsräumen nicht ausreichend. 

Welche Maßnahmen und Ansätze sind geeignet, um nicht allein die Symptome zu behandeln, sondern strukturelle Herausforderungen im Umgang mit digitalen Plattformen und der darunter liegenden Geschäftsmodelle anzugehen? Im Themenbereich „Stärkung digitaler Öffentlichkeit“ befasst sich die SNV mit dieser Frage. 

Digitale Informations- und Nachrichtenkompetenz 

Allein regulatorische Ansätze werden die Herausforderungen und Probleme digitaler Öffentlichkeiten nicht lösen können. Vielmehr braucht es einen ganzheitlichen Ansatz, der neben Plattformen und den Verbreiter:innen von Falschnachrichten, Hate Speech und Wahlmanipulationen auch die Empfänger:innen in den Blick nimmt: Die Bürger:innen digitaler Öffentlichkeiten. In den digitalen Debattenräumen führt die Möglichkeit, dass heute jede:r selbst senden und publizieren kann, zu einer Fülle zahlreicher gleichzeitiger, teilweise widersprüchlicher privater und öffentlicher, journalistischer, wissenschaftlicher und politischer Informationen. Dabei treten neben Nachrichten und Informationen auch Meinungen, Werbung, Unterhaltung, Hetze, Persuasion oder Desinformation als gleichberechtigte Kommunikationsformen. Als Bürger:innen brauchen wir daher völlig neue Fähigkeiten, um selbst die Zuverlässigkeit von Quellen beurteilen oder Informationen überhaupt erkennen, einordnen und verifizieren zu können. Denn das ist die demokratische Grundlage dafür, fundierte Wahlentscheidungen zu treffen, an öffentlichen Debatten teilzunehmen, die Arbeit von Politiker:innen zu beurteilen und oder in einer Pandemie verlässliche Gesundheitsinformationen aufzuspüren. Die Fragen, die hier im Mittelpunkt stehen, sind insbesondere: 

  1. Was müssen wir heute alles können, um nachrichtenkompetent durch das Internet zu navigieren? Welche ganz konkreten Fähigkeiten brauchen wir? 
  2. Wie können wir diese Fähigkeiten messen und erheben, wie nachrichtenkompetent die Deutschen sind? 

Die Studie, die die SNV hierzu entwickelt hat, hilft dabei, zu verstehen, welche Nutzer:innen- und Altersgruppen in welchen Kompetenzbereichen wie abschneiden, um daraus Ideen und Handlungsvorschläge für alle Akteur:innen digitaler Öffentlichkeiten – von Bürger:innen über Bildungsinstitutionen, öffentlich-rechtliche Medien bis zu den Plattformen – abzuleiten. 

Weitere Informationen zur Arbeit der SNV zu digitaler Informations- und Nachrichtenkompetenz finden Sie hier. 

Plattformregulierung 

Zum ersten Mal seit ihrer Gründung sehen sich große soziale Netzwerke, Video-Apps und Suchmaschinen damit konfrontiert, dass nicht nur sie selbst die Regeln aufstellen, wie die digitalen Kommunikationsräume von Millionen Menschen gestaltet sind. Gesetzgeber in Deutschland, Europa und anderen Ländern versuchen aktuell, Regeln für Tech-Konzerne zu entwickeln. Motiviert sind sie dabei von möglichen Gefahren, die aus dominanten Markpositionen, aus Datenschutzverstößen, aus intransparenten Geschäftsprozessen oder auch aus dem mangelhaften Umgang mit Desinformation und Hetze erwachsen. 

Allerdings ist noch unklar, wie solche Regeln aussehen können und wie genau dabei verschiedene Risiken und Ansätze gegeneinander abgewogen werden können. Vor diesem Hintergrund analysiert und entwickelt die SNV Ideen zur Plattformregulierung auf deutscher, europäischer und transatlantischer Ebene. Wir stehen hierzu im Austausch mit internationalen Fachleuten, verfassen Policy-Papiere mit Analysen und Empfehlungen und beteiligen uns an Konsultationen und zivilgesellschaftlichen Formaten. 

Weitere Informationen zur Arbeit der SNV zu Plattformregulierung finden Sie hier. 

Archiv zur Studie zu Desinformation während der Bundestagswahl 2017 

Die SNV befasst sich bereits seit 2016 mit dem Thema Stärkung digitaler Öffentlichkeit. Unter Leitung von Alexander Sängerlaub (mittlerweile Direktor beim Think Tank futur eins) entwickelte die SNV die erste empirische Messung in Deutschland, welche Rolle „Fake News“ zur Bundestagswahl 2017 spielten. Neben der Studie „Fakten statt Fakes“ entstanden auch Papiere über das Fact-Checking als eine mögliche Antwort auf Desinformation und zur schwierigen Situation für Zivilgesellschaft und Wissenschaft, an Daten zur Erforschung von Desinformation zu kommen. 

Die gesammelten Informationen zur Studie zu Desinformation im Bundestagswahlkampf 2017 finden Sie hier. 

Expert:innen

Projektleiter "Policy | Plattformregulierung"
+49 (0)30 81 45 03 78 93
  • Stärkung digitaler Öffentlichkeit
Projektleiterin "Digitale Nachrichten- und Informationskompetenz"
+49 (0)30 40 36 76 982
  • Stärkung digitaler Öffentlichkeit
Studentischer Mitarbeiter "Stärkung digitaler Öffentlichkeit"
+49 (0) 30 4036769 80
  • Stärkung digitaler Öffentlichkeit
Studentischer Mitarbeiter "Stärkung digitaler Öffentlichkeit"
+49 (0)30 81 45 03 78 80
  • Stärkung digitaler Öffentlichkeit