Sozialdemokraten - Achtzehn Monate unter Genossen

Sozialdemokraten - Achtzehn Monate unter Genossen

Podiumsdiskussion

Bei den Bundestagswahlen 2009 erzielte die SPD mit nur 23 Prozent der Stimmen ihr schlechtestes Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik. Der Grimme-Preisträger und Publizist Lutz Hachmeister („Schleyer. Eine deutsche Geschichte“, „Das Goebbels-Experiment“) hat die Sozialdemokraten nach diesem dramatischen Einschnitt anderthalb Jahre lang beobachtet. Hachmeisters ungewöhnliches Langzeit-Portrait zeigt die SPD und ihr Führungsteam auf der Suche nach der sozialdemokratischen Seele. Der Film begibt sich auf eine facettenreiche Reise ins Innere der Partei, mit ihren Flügeln wie „Seeheimern“ und „Netzwerkern“, einem neuen „Leitbild“ für die Mitarbeiter im Willy- Brandt-Haus und den Versuchen, wieder neue Allianzen mit den Gewerkschaften zu schmieden.

Eine fulminante Rede des neuen Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel verbreitet zunächst Aufbruchstimmung, und der SPD gelingen in diesen 18 Monaten durchaus Erfolge: Jürgen Rüttgers wird als CDU-Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen abgewählt, in Hamburg holt Olaf Scholz sogar die absolute Mehrheit für die Sozialdemokraten. Dennoch wird im Film klar, wie schwierig es für die Traditionspartei ist, zwischen Linken, nunmehr etablierten „Grünen“ und einer sozialdemokratisierten CDU eine unverwechselbare Position für die Wähler zu entwickeln. Nach wie vor liegen die Schatten von „Hartz IV“ und „Agenda-Politik“ über den deutschen Sozialdemokraten. Zudem bleibt das Dauerproblem einer Öffnung der Partei für die jüngere Intelligenz, die sich eher nicht mit den altbackenen Formen und Begriffen der Parteiorganisation anfreunden will. Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagt es im Interview sehr offen: „Die jetzigen Veranstaltungsformate, oder sagen wir mal, auch die jetzige Organisation, die jetzigen Mechanismen der Parteiauswahl halte ich nicht mehr zeitgemäß für das 21. Jahrhundert. Sie stammen im Wesentlichen aus dem 20. Jahrhundert. Wenn Sie sich das konkrete Parteileben angucken, dann habe ich den Eindruck, dass man nicht so sicher sein kann, ob dieser Organisationsbestandteil der Parteipolitik der Zukunft gehört“.

Hachmeister lässt seine Kamera-Beobachtungen unkommentiert. „Der Film will sich nicht über seine Protagonisten erheben“, so der Autor. „Es gibt für die in mehrfachem Sinne älteste deutsche Volkspartei keine einfachen Lösungen. Der Zuschauer steht vor der interessanten Frage, was er in einer solchen Situation machen würde, wäre er Sigmar Gabriel“. Neben Gabriel selbst äußert sich in den Interviews des Films die gesamte SPD-Führungsebene: Frank-Walter Steinmeier, Andrea Nahles, die Bundesgeschäftsführerin Astrid Klug, aber auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der aus der SPD ausgetretene Wolfgang Clement und seine einstige hessische Widersacherin Andrea Ypsilanti.

Sozialdemokraten. D 2011. Ein Film von Lutz Hachmeister © HMR Produktion 2011 für WDR, RBB und SWR. Regie: Lutz Hachmeister. Kamera: Hajo Schomerus, Thomas Schäfer, Dirk Wojzik u.a. Schnitt: Thomas Wellmann. Regieassistenz und Recherchen: Anna-Katharina Messmer, Katharina Bergmann. Produktionsleitung: Hermance Grémion. Herstellungsleitung: Carina Steinmetz.

Im Anschluss an den Film (ca. 21:30 Uhr) findet eine Podiumsdiskussion mit folgenden Teilnehmern statt:

Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD

Lutz Hachmeister, Grimme-Preisträger und Publizist, Autor und Regisseur des Films

Leonard Novy, Fellow, stiftung neue verantwortung (Moderation)

Daniel F. Sturm, Journalist, DIE WELT, und Autor des Buches „Wohin geht die SPD?“

Teilnahme nur mit Einladung möglich.

 

Mit: 

Sigmar Gabriel (Vorsitzender der SPD);
Daniel F. Sturm (Journalist, DIE WELT);
Lutz Hachmeister (Publizist, Autor, Regisseur)

Datum: 
08.07.2011 - 20:00 bis 22:30
Ort: 
Babylon Kino
Rosa-Luxemburg-Straße 30
10178 Berlin
Deutschland