Wettbewerb um Daten. Über Datenpools zu Innovationen

Impulse

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Daten bilden die Grundlage für innovative Geschäftsmodelle und damit für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Der Zugang der großen Internet-Plattformen zu den Daten ihrer Millionen Nutzer:innen wird im Wettbewerb als strategischer Vorteil von Unternehmen in den USA und China gesehen. Daten sind außerdem von äußerster Wichtigkeit für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI), auch dieser Aspekt befeuert die kontroverse Diskussion um Datenzugang.

Die Politik hat erkannt, dass es dringend Antworten auf die Frage nach einem europäischen Modell einer Datenökonomie braucht. Die Einrichtung von Datenpools für die gemeinsame Nutzung und Verwertung von Daten spielt in dieser Debatte eine wichtige Rolle. Trotz fehlender, branchenübergreifender Plattformen und einer Vielzahl kleinerer Initiativen bei Forschungseinrichtungen und in der Privatwirtschaft, könnte sich aus der Kooperation der Akteure eine Stärke entwickeln. Dennoch bestehen viele offene Fragen, was den Aufbau von Datenpools angeht, sowie deren breitere Nutzung.

Mit diesem Papier wollen wir der Debatte über Datenkooperationen neue Impulse verleihen. Zu diesem Zweck haben wir mit einem Mapping bestehender Initiativen in Deutschland und wichtiger Initiativen in Europa begonnen. Darunter befinden sich Daten-Pools, Plattformen, Repositorien und andere Arten von Modellen aus der Privatwirtschaft und in geringerem Ausmaß auch der Forschung. Diese wurden nach verschiedenen Merkmalen klassifiziert. Das Mapping erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – es ist aber der erste Überblick über die vielfältige Landschaft der Initiativen, insbesondere in der Privatwirtschaft. Diese Übersicht zeigt auch, dass sich mittlerweile ein Ökosystem gebildet hat, bei dem es derzeit noch keine dominanten Player gibt.

Aus unserer Sicht ist ein breites Maßnahmenbündel notwendig, um Datenpools zum Durchbruch zu verhelfen. So wäre es unbedingt notwendig, Erkenntnisse über Datenpools aus der Forschung besser in die Umsetzung zu transferieren. Auch sollten die Stärken und Schwächen bestehender Modelle in der Praxis analysiert werden. Hierzu sollten Praktiker:innen und Forscher:innen in einen stärkeren Austausch treten und ihr Wissen teilen. Auf dieser Basis könnte ein entsprechendes Maßnahmenbündel entwickelt werden, um das Potenzial der Nutzung von Datenpools besser ausschöpfen zu können.

Eine erste Analyse zeigt, dass Unternehmen bei Datenkooperationen zögern, weil ihnen die Vorteile nicht ausreichend klar sind und die Risiken als schwer beherrschbar gesehen werden. Gerade in Bezug auf das Kartell- und Datenschutzrecht werfen Datenpools schwierige Fragen auf, die noch gelöst werden müssen, um für die notwendige Rechtssicherheit zu sorgen. Denn Datenkooperationen bei Preisen und Lieferantenbeziehungen könnten den Wettbewerb unterminieren. Hinzu kommt, dass Regeln für Datenpools entwickelt werden müssen, die Zugriffs- und Nutzungsrechte klären und überprüfbar machen und dabei geltendes Datenschutzrecht befolgen. Datenkooperationen können auch stark von neuen technischen Entwicklungen, insbesondere dezentralen Trainingsansätzen in der KI und der Produktion von synthetischen Daten, profitieren.

Insgesamt zeigt unsere Analyse, dass es dringend mehr Forschung über die benötigten Anreize und Rahmenbedingungen bedarf, um die Bildung von Datenpools von staatlicher Seite wirksam zu unterstützen. Voraussetzung für eine wirksame Datenpool-Strategie wäre zudem eine kritische Analyse existierender Datenpools. Bisher generiert nach unserem Kenntnisstand keine dieser Plattformen oder Pools das notwendige Wachstum, um den Datenmangel in Europa merklich abzufedern.

04. April 2019
Autoren: 

Dr. Stefan Heumann
Dr. Nicola Jentzsch

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