„Es fällt oft schwer, interdisziplinäres Denken in den bestehenden Institutionen anzuwenden."

Interview

Professor Larry Philipps vom Department of Management an der London School of Economics (LSE) über die wichtigsten Aspekte effektiver Teamarbeit.
 
Im Rahmen der Leadership Trainings führte Professor Larry Philipps vom Department of Management an der London School of Economics (LSE) in Kooperation mit dem Decision Institute aus Berlin ein Training exklusiv für die Fellows der stiftung neue verantwortung durch. Im Rahmen des Trainings erläuterte Professor Philipps die wichtigsten Aspekte interdisziplinärer Zusammenarbeit.
 
Professor Phillips, die stiftung neue verantwortung fördert interdisziplinäres Denken und die Fähigkeit über Sektorgrenzen hinweg zu arbeiten. Sind diese Fähigkeiten in unserer Gesellschaft heute unterentwickelt?
 
Es fällt oft schwer, interdisziplinäres Denken in unseren bestehenden Institutionen anzuwenden, obwohl diese nicht das breite Wissen haben, das es ihnen erlauben würde, schwierige Probleme zu lösen und Chancen zu ergreifen. Dies trifft besonders auf jene Aufgaben zu, die nicht klar in eine der Disziplinen fallen, wie wir sie aus der Universität kennen, also z.B. Ökonomie, Soziologie, Psychologie, Philosophie, Mathematik, Naturwissenschaften, usw. Um diese Aufgaben zu adressieren, müssen wir in interdisziplinären Teams zusammenarbeiten und dabei Expertise aus allen relevanten Disziplinen und Sektoren nutzen. Es gibt also mehr denn je Bedarf für interdisziplinäres Denken in allen Sektoren.
 
Was bedeutet es, Führung in einem intersektoralen Teamkontext zu übernehmen?
 
Die Aufgabe ist, ein exzellent funktionierendes Team zu schaffen. Wichtig ist dabei, dass es einen Teamleiter gibt, der die Gruppe dazu befähigt, die ihr gestellte Aufgabe zu erledigen trotz aller Unterschiede im Team. Mit Charisma oder Persönlichkeit hat das wenig zu tun. Es bedarf vielmehr harter Arbeit verbunden mit methodischen Kompetenz in Teamprozessen. Dazu gehört sicherlich, gemeinsam eine klare Strategie zu formulieren, zu deren Umsetzung die einzelnen Teammitglieder beitragen können. Eine Teamleiterin sollte die Teammitglieder dazu motivieren, ihr Bestes zur Teamarbeit beizutragen. Exzellente Teams haben neben der inhaltlichen Arbeit aber auch ein Auge auf ihre Vernetzung, sowohl innerhalb des Teams als auch mit Abnehmern und anderen Stakeholdern außerhalb. Ein intersektorales Team muss ganz besonders Wert legen auf Vertrauen und Verständnis im Team für die unterschiedlichen Sichtweisen der Einzelnen.
12. Januar 2010
Autoren: 

Tobias Leipprand