Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt – Jobkiller oder Wachstumsmotor?

Medienbeitrag

Für die Einen ist die wachsende Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt ein ungebändigter Job-Vernichter, andere sehen in der „Industrie 4.0“ einen zukunftsorientierten Wachstums- und Beschäftigungsmotor. Kaum ein Thema wird derzeit so kontrovers und meist auch emotionsgeladen diskutiert. So auch bei der Veranstaltung „Arbeitsmarkt der Zukunft“ im Haus Mons Tabor in Montabaur am Donnerstag. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft hatte eingeladen und einen kompetenten Pool von Referenten und Podiumsteilnehmern mit ins Boot geholt.

Montabaur. Gemeinsam mit der IHK Koblenz, der Handwerkskammer Westerwald und der Agentur für Arbeit hatte die WFG zu dieser Podiumsdiskussion eingeladen und mit Stefan Schultz von Spiegel online in Hamburg einen Moderator verpflichtet, der mit Sachverstand und Background durch die Veranstaltung führen konnte. In seinem Impulsvortrag „Sechs Szenarien für Deutschlands Arbeitsmarkt“ stellte dann Philippe Lorenz von der Stiftung Neue Verantwortung eine Studie zur künftigen Entwicklung des Arbeitsmarktes vor. Philippe Lorenz beschäftigt sich mit den arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen in Deutschland unter dem Einfluss der fortschreitenden Digitalisierung.

In der Arbeitswelt entsteht durch zunehmende Ungewissheit und teils unreflektierte Veröffentlichungen und Mutmaßungen eine gespannte Stimmung – die sich übrigens auch in der folgenden Diskussion mit den Gästen der Veranstaltung wiederfand. Lorenz zeigte auf, wie eine Neuorganisation des Arbeitsmarktes erfolgen könnte und sprach dabei nicht unbedingt vom Homeoffice, sondern vielmehr von einer verstärkten Projektarbeit: „Unternehmen sind oft träge, schlanke Strukturen bieten mehr Innovationspotenzial“ führte er aus.

Erschreckend sei zudem die Tatsache, dass auch heute noch die meisten jungen Menschen in gerade den Berufen ausgebildet würden, die am stärksten von Rationalisierungen bedroht seien: Kaufleute im Einzelhandel, im Büromanagement oder Bankkaufleute können schon heute von Softwarelösungen ersetzt werden, kündigte Lorenz an. In den Unternehmen werde fälschlicherweise beim Stichwort Automatisierung zunächst an den industriellen Einsatzbereich (Roboter) gedacht.

Für die Zukunft fokussiert er einen Ausbau der Weiterqualifizierung: „Das wird die Universalantwort auf den rapiden technologischen Wandel. Wenn Unternehmen Ihre Belegschaft weiterqualifizieren möchten, müssen sie zunächst das Fähigkeitenprofil der Belegschaft anhand ihres Geschäftsmodells kennen!“ rät er den Unternehmen.

So provokant, wie die Thesen und Ansätze des Referenten, gestaltete sich streckenweise auch die anschließende Podiumsdiskussion in der Stadthalle. Mit Dr. Oliver Stettes (IW Köln, Leiter des Kompetenzfeldes Arbeitsmarkt), Sebastian Hebeisen (DGB) und Michael Leukel (ITEX Gaebler Montabaur) hatte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft ein Podium eingeladen, das die ganze Breite des Arbeitsmarktes von allen Seiten beleuchten konnte.

Erschienen bei: 
WW-Kurier
04. November 2016
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