Breitbandmessung in Deutschland

Impulse

Auch in der kommenden Legislaturperiode wird der Breitbandausbau das wichtigste digital-politische Thema bleiben. Alle großen Parteien haben in ihren Wahlprogrammen für die Bundestagswahl 2017 angekündigt in den Ausbau noch schnellerer Leitungen zu investieren. Obwohl die noch amtierende Bundesregierung ihre gesteckten Ausbauziele von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) für jeden Haushalt bisher nicht erreichen konnte, macht der Breitbandausbau in Deutschland insgesamt Fortschritte und behält dabei hohe Priorität durch die Politik. Aktuell liegt die Abdeckung der Haushalte mit 50 Mbit/s bei 77 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass die neue Bundesregierung erneut höhere Ausbauziele formulieren wird.

Allerdings stehen die ehrgeizigen Ziele der derzeitigen Breitbandpolitik im Kontrast zu der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der gebauten digitalen Infrastruktur. Immer häufiger berichten Verbraucher von niedrigen Internetgeschwindigkeiten obwohl Verträge für deutlich schnellere Internetleitungen abgeschlossen wurden. In einer aktuellen Studie der Bundesnetzagentur erreichten nur etwa 12 Prozent der Internetnutzer die vertraglich vereinbarte Geschwindigkeit.

Der Hauptgrund für diese Leistungsschwankungen sind Überlastungen in den Netzen. Daten und Studien über die reale Leistungsfähigkeit unserer digitalen Infrastruktur sind allerdings kaum vorhanden oder werden nicht genutzt. Anders als beispielsweise bei der Autobahnplanung oder im Schienennetz, gibt es deshalb kaum belastbare Informationen darüber, wo es Engpässe in der Konnektivität gibt und warum. Grundlegende Probleme bei der Konstruktion der zukünftig entscheidenden Infrastruktur lassen sich so nur schwer erkennen und korrigieren.

Der bisherige Ansatz der Breitbandpolitik, ehrgeizige Ziele für eine flächendeckende Mindestgeschwindigkeit vorzugeben ist richtig, reicht aber nicht aus und führt allein zu einem verzerrten Bild darüber, wozu die Breitbandinfrastruktur tatsächlich in der Lage ist. Unsere Breitbandpolitik sollte daher zukünftig auf eine systematische Breitbandmessung setzen, die die wichtigen Leistungsparameter wie Durchsatz, Verzögerung und Paketverlust an verschiedenen Stellen in den Netzen anhand fester Standards und transparenten Methoden misst. Diese drei Parameter ermöglichen eine bessere Analyse der Geschwindigkeit und der Auslastung der Netze.

Als Durchsatz wird die tatsächliche Geschwindigkeit bezeichnet, mit der ein Internetnutzer Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt empfangen kann. Die anderen beiden Parameter erlauben Rückschlüsse über den Weg der Datenpakete und die Verkehrsbedingungen. Die Verzögerung gibt an, wie lange ein Datenpaket benötigt um vom Sender zum Empfänger zu gelangen und ist ein geeignetes Maß für die Länge des Weges. Abweichungen bei der Verzögerung oder eine größere Anzahl an verloren gegangenen Datenpaketen sind verlässliche Indizien dafür, ob es auf dem Weg Engpässe, beziehungsweise  gab.

Die Breitbandmessung in Deutschland steht jedoch keineswegs am Anfang. Für die Studie der Bundesnetzagentur wurde bereits ein Messinstrument entwickelt und erprobt. Die Daten reichen dieser Messung jedoch nicht aus, um Antworten auf die drei zentralen Fragen der Breitbandpolitik zu finden.

  1. Was für Kapazitäten hat die digitale Infrastruktur und welche Kapazitäten werden wo benötigt?
  2. Wie leistungsfähig ist die digitale Infrastruktur tatsächlich und wie wirkt sich das auf die Nutzung aus?
  3. Wo und warum gibt es Engpässe beim Datentransport und wie geht man mit ihnen um?

Eine schnelle und zuverlässige digitale Infrastruktur ist eine Grundvoraussetzung für die künftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands. Um dieses Entwicklungspotential zu entfalten, benötigt die Breitbandpolitik Informationen und Analysen über die tatsächliche Leistungsfähigkeit und das Verkehrsmanagement der digitalen Infrastruktur. Die Verkehrspolitik im Internet gehört bereits zu den wichtigsten Wirtschaftspolitiken im 21. Jahrhundert.

09. Oktober 2017
Autoren: 

Björn Boening

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