Blockchain-Technologie. Herausforderungen und Förderstrategien

Policy Brief

Die Blockchain-Technologie hat enormes Potenzial, um digitale Prozesse effizienter zu gestalten und Innovationen in vielen Wirtschaftsbereichen anzustoßen. Für Deutschland spielt die Technologie aber eine besondere Rolle, denn ein Großteil der Entwickler:innen-Community hat sich hier angesiedelt, schafft Arbeitsplätze und lockt weitere Unternehmen an, die auf diese neue digitale Infrastruktur aufbauen möchten. Doch die internationale Konkurrenz holt mit großen Schritten auf. Um den derzeitigen Standortvorteil auch langfristig zu sichern, sind klare Rahmenbedingungen und eine proaktive Gestaltung notwendig.

Allerdings klafft noch immer eine große Verständnislücke zwischen der Blockchain-Community und der Politik. Welche Herausforderungen die Technologie daneben noch meistern muss und welche Maßnahmen dabei helfen könnten, haben wir in einem Workshop mit hochkarätigen Expert:innen erarbeitet, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema Blockchain beschäftigen. Wir haben diese Herausforderungen in vier Bereiche zusammengefasst:

Regulatorische Herausforderungen bestehen vor allem in unklaren Rahmenbedingungen. Dazu zählt unter anderem die steuerliche Einstufung von Blockchain-basierten Tokens und Finanzierungsmodellen durch ICOs. Hier gibt es immer noch viele Grauzonen und Einzelfallentscheidungen, die eine große Unsicherheit bei Gründer:innen und Investor:innen erzeugen. Außerdem sind einige Grundeigenschaften der Technologie, wie die Unveränderlichkeit von Einträgen oder das Fehlen einer zentralen Auskunftsstelle bei öffentlichen Blockchains, mit der EU-Datenschutzgrundverordnung unvereinbar. Das Bewusstsein für diese Diskrepanz besteht zwar bei den beteiligten Akteuren, dies hat aber noch nicht zu einer veränderten Rechtsgrundlage geführt.

Technische Herausforderungen bestehen vor allem bei der Skalierbarkeit einzelner Blockchains. Gemeint ist hier die mögliche Transaktionsrate, die in den meisten Fällen noch nicht auf dem Niveau klassischer Technologien, wie Visa (als Zahlungsmittel) oder Cloud-Anwendungen (für Berechnungen), sind. Außerdem erzeugen Blockchains, die den Proof of Work Mechanismus verwenden, durch ihren enormen Energieverbrauch erhebliche Externalitäten und gefährden die weltweiten Klimaziele. Neuere Blockchains verwenden zwar immer häufiger energieeffizientere Mechanismen, der Energieverbrauch großer Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum bleibt dennoch ein
Problem.

Kommunikative Herausforderungen stehen einer Gestaltung der Rahmenbedingungen massiv im Weg. Unter dem Begriff Blockchain werden zum Teil vollkommen unterschiedliche Abstraktionsebenen verstanden und kommuniziert. Grundsätzlich fällt es Akteuren außerhalb der Blockchain-Szene schwer, zwischen den Ebenen “Anwendungen” und “Infrastruktur” zu unterscheiden, da hier zuweilen dieselben Narrative und Nutzenversprechen verwendet werden. Für einen Austausch auf Augenhöhe und das Verständnis über die Tragweite der Technologie ist ein hohes Maß an (technischem) Vorwissen notwendig, das nur Wenige aufbringen können. Hinzu kommen die enorme Entwicklungsgeschwindigkeit und unterschiedliche Selbst- und Außenwahrnehmungen von Akteursgruppen wie Politik und Entwickler:innen, wodurch ein Austausch zusätzlich erschwert wird.

Werte und Motive der Entwickler:innen sind ein bisher vollkommen unterbelichteter Aspekt. Blockchains schicken sich an als Erweiterung des Internets unsere Welt zu verändern. Dafür nutzen sie neben Kryptografie vor allem Anreizmechanismen, die tief in der Infrastruktur verankert werden. Welches Verhalten begünstigt und welches vermieden werden soll, wird der Infrastruktur also einprogrammiert. Entwickelt wird diese Infrastruktur aber von einer verhältnismäßig kleinen, homogenen Gruppe. Teile dieser Gruppe haben dabei ideologische Ursprünge, die den europäischen Wertvorstellungen entgegenstehen. Daher ist es nur legitim die (politischen) Motive der handelnden Akteure zu hinterfragen.

Diesen vielschichtigen Herausforderungen kann aber mit einer nationalen Blockchain-Strategie, für die erste Handlungsempfehlungen formuliert wurden, begegnet werden.

Allem voran sollte sich in einer Blockchain-Strategie die Komplexität der Technologie widerspiegeln. Hierbei ist eine weitreichende Zusammenarbeit von Ministerien, Community und allen betroffenen Stakeholdern gefragt. Die Bundesregierung sollte in der Ausarbeitung mit unabhängigen Akteuren zusammenarbeiten, die einerseits das nötige technologische Know How aufbringen, andererseits aber Partikularinteressen filtern und bewerten können.

Ein breiter interdisziplinärer Diskurs kann Blockchain für mehr Stakeholdergruppen zugänglich machen und die Weiterentwicklung dieser digitalen Infrastruktur kann besser demokratisch legitimiert werden. Deutschland kann und sollte bei dem Thema als internationaler Vordenker agieren. Dabei sollten wir auf das bauen, was wir gut können: Weltoffenheit, europäische Grundwerte, Fairness, Datenschutz.

Die Förderung der Technologie sollte sich im ersten Schritt auf die Kerninfrastruktur konzentrieren, auf die weitere Anwendungen aufgebaut werden können. Hierbei sollten Kriterien wie Energieverbrauch, Datenschutz und ethische Grundsätze zur Anwendung kommen.

Die Effekte einer solchen ganzheitlichen Strategie sollten schnellstmöglich spürbar werden, um mit dem enormen Tempo der Weiterentwicklung von Blockchain mitzuhalten. Noch steht Deutschland als internationaler Blockchain- Standort gut da – aber die Uhr tickt.

 

09. Mai 2019
Autoren: 

Fabian Reetz, Projektleiter Digitale Energiewende

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