Dezember 2018: Woran die Stiftung Neue Verantwortung aktuell arbeitet

Dezember 2018: Woran die Stiftung Neue Verantwortung aktuell arbeitet

19. Dezember 2018

Woran wir gerade arbeiten

Derzeit lassen sich Desinformationskampagnen im Netz kaum noch systematisch untersuchen, weil Plattformen wie Facebook die Schnittstellen zum Auslesen ihrer Daten (sogenannte "APIs") auch für Forschungszwecke dicht gemacht haben. Auf welche Daten Forscher:innen, Journalist:innen und die Öffentlichkeit angewiesen sind, um Manipulationen und Probleme sozialer Medien zu erkennen, beschreibt Alexander Sängerlaub in einer Analyse. Sie erscheint voraussichtlich im Januar.
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Derzeit erleben wir eine globale Debatte um die Vertrauenswürdigkeit chinesischer IT-Unternehmen und ihrer Produkte. Jan-Peter Kleinhans untersucht, wie Regierungen beim Bau ihrer Mobilfunknetze bisher mit den Risiken ausländischer Hard- und Software umgehen. Sein Ziel ist es, Best Practices zur Risiko-Minimierung beim Aufbau zukünftiger 5G-Netze zu identifizieren. Die Analyse wird im Februar veröffentlicht.
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Was sind die technischen Gründe für den enormen Energieverbrauch von Bitcoin, welche energiesparenden Blockchain-Alternativen gibt es und was bedeutet dies für die Blockchain-Strategie der Bundesregierung? An diesen Fragen arbeitet derzeit Fabian Reetz, sein Papier erscheint im Februar.
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Öffentliche Debatten, politische Meinungsbildung, Mediennutzung und Wahlkämpfe verlagern sich zunehmend auf Social-Media-Plattformen oder sind durch neue Technologien geprägt. Dadurch entstehen Gefahren für eine informierte und demokratische Öffentlichkeit. Derzeit sucht die Politik nach konkreten Ideen, wie sie die digitale Öffentlichkeit stärken kann und welche Gesetze zu deren Schutz notwendig sind. Wir starten dazu ein eigenes Projekt und haben eine Stellenausschreibung für die Projektleitung online gestellt. Zusätzlich suchen wir ein:e Mitarbeiter:in für den Bereich der Nachrichtendienste und Kommunikationsüberwachung in Europa.
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Immer mehr Unternehmen setzen bei der Personalfindung auf algorithmische Analyse- und Entscheidungssysteme. Insbesondere bei Personalknappheit versprechen sie kürzere Vakanzen und bessere Mitarbeiter:innen. Tobias Knobloch analysiert die Chancen und Gefahren algorithmischer Personalgewinnung aus Sicht des Gemeinwohls und zeigt mögliche Konsequenzen für den Arbeitsmarkt auf. Das Papier wird im Januar erscheinen.
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Aus online veröffentlichten Beiträgen wie Facebook- oder Blogposts lassen sich weitreichende Informationen ziehen. So ist es beispielsweise möglich, aus Tweets persönliche Vorlieben und das Verhalten der Verfasser abzuleiten. Sind sich Nutzer:innen über die daraus entstehenden Gefahren bewusst und wie gehen sie damit um? Offenbar findet hier ein Umdenken statt, was die Nutzer:innenzahlen und der Umgang mit Privatsphäre-Einstellungen auf den Plattformen zeigen. Zu diesem Thema recherchieren derzeit Nicola Jentzsch und Anika Lange.
 

Was wir gerade mit Interesse lesen

2012 begannen Forscher:innen, Grafikkartenchips für das Training Neuronaler Netze zu nutzen. Das war ein wichtiger Faktor für den Durchbruch des Deep Learning Ansatzes. Von Quantencomputern könnte sogar ein weitreichenderer Einfluss auf Machine Learning ausgehen. Im Gespräch mit dem Risikokapitalgeber Steve Jurvetson erörtert Rob Reid in seinem Podcast das Potenzial von Quantum Computing für Künstliche Intelligenz. Dabei beschäftigen sich die Gesprächspartner auch mit zukünftigen KI-Anwendungsfeldern und gewähren Hörer:innen damit faszinierende Einblicke. Gehört von Philippe Lorenz.
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Der jüngste Bericht der hochkarätigen Expert:innengruppe IPCC sorgte in der Klima-Community für großes Aufsehen, in der öffentlichen Debatte hat der Bericht hingegen kaum Aufmerksamkeit bekommen. Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C wäre laut des Berichts zwar technisch möglich, aber nur mit einem sofortigen und radikalen politischen Umdenken zu erreichen. Der Podcast “The Energy Gang” diskutiert zugänglich und anschaulich unterschiedliche Blickwinkel auf den Bericht mit Expert:innen. Gehört von Fabian Reetz.
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Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat sich durch die Übernahme ukrainischer Schiffe durch das russische Militär in den vergangenen Wochen zugespitzt. Der Tech-Journalist Patrick Tucker berichtet in einem Artikel über Hinweise, dass die russische Seite im Vorfeld gezielt Hackerangriffe einsetzte, um die Operation im Asov'schen Meer vorzubereiten. Der Fall wäre ein weiterer Beleg dafür, dass Cyber-Angriffe und traditionelle militärische Aktionen zunehmend kombiniert werden. Gelesen von Sven Herpig.
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Anwendungen Künstlicher Intelligenz benötigen bisher häufig große Datenmengen, um gut zu funktionieren. In seinem Artikel erklärt der Data Scientist Yonatan Hadar, wie maschinelles Lernen auch mit kleinen Datensätzen möglich wird. Ideen wie die von Yonatan Hadar sind zunehmend von Bedeutung, weil der Schutz der Privatsphäre eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen beim Fortschritt Künstlicher Intelligenz darstellt. Gelesen von Stefan Heumann.
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Entscheidungen über das Strafmaß oder die Höhe von Kautionen werden in den USA zunehmend mit Hilfe von Machine-Learning (ML)-Systemen getroffen, die rassistische Trends verstärken können. Einige Rechtswissenschaftler:innen aus den USA fordern deshalb eine strengere Datenregulierung und mehr Transparenz. Dieser Artikel des Shorenstein Institutes an der Harvard Universität diskutiert, wie ML-Systeme helfen könnten, um das Strafrechtssystem zu verbessern, statt Rassismus Vorschub zu leisten. Gelesen von Kate Saslow.
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In dieser Woche flammte die Diskussion um den Einfluss von Bots auf die öffentliche Meinung erneut auf. Grund dafür war eine Studie des Berliner Unternehmens "Botwatch", in der angeblich eine hohe Botaktivität in Social-Media-Debatten zum UN-Migrationspakt festgestellt wurde. Die Glaubwürdigkeit der Studie wurde von zahlreichen Forscher:innen infrage gestellt. Die NZZ hat nachgebohrt und zeigt, dass die Bedeutung von Bots derzeit kaum wissenschaftlich messbar ist und das Thema häufig mit politischen Agenden verknüpft ist. Gelesen von Alexander Sängerlaub.
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Diese Woche wurde der jährlich erscheinende Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht. Dieses Jahr wurde darin erstmals untersucht, wie sich die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz auf den Gender Gap auswirkt. Die Zeit fasst die Ergebnisse des Berichts in einem Artikel zusammen und betont dabei, dass durch die Digitalisierung überproportional häufig Jobs wegfallen, die traditionell von Frauen ausgeübt werden. Gelesen von Anna Wohlfarth.
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Geht es um gegenseitige Hackerangriffe und digitale Spionage, gibt es zwischen den Regierungen der USA, Russland und China kaum Annäherung und wenig diplomatische Fortschritte. Dagegen arbeiten Cyber-Sicherheitsexpert:innen und Wissenschaftler:innen der verschiedenen Staaten in einigen Bereichen bereits zusammen und versuchen, gemeinsame Lösungen zu finden. In einem aktuellen Artikel für die Fachzeitschrift Global Policy beschreibt eine britische Forscher:innengruppe, dass diese sogenannten Computer Security and Incident Response Teams (CSIRTs) eine wichtige Rolle bei der Lösung globaler Cyber-Sicherheitsprobleme einnehmen. Gelesen von Julia Schuetze.
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Zwei Journalisten einer führenden Wirtschaftszeitung Australiens berichteten über die gemeinsamen Anstrengungen und Absprachen der Geheimdienste von Australien, Kanada, Neuseeland, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten, um chinesische Unternehmen beim Bau von 5G-Netzen weltweit auszuschließen und so Chinas digitale Spionage zu schwächen. Der Artikel ist kostenpflichtig. Gelesen von Jan-Peter Kleinhans.
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Kontrollbehörden können als Brücke zwischen Geheimdiensten und der Bevölkerung dienen. Doch zwischen spezialisierten Überwachungskontrollgremien und der Zivilgesellschaft gibt es insbesondere in Deutschland kaum gezielte Zusammenarbeit. Die Strategien, die Sharon Bradford Franklin und Eric King in ihrem Report präsentieren, könnten auch hierzulande den Austausch für Kontrollgremien NGOs gezielt verbessern. Gelesen von Kilian Vieth.

 

Deep Dive: 5G Netzausbau und die Nationale Sicherheit

Immer mehr Staaten schließen wegen Sicherheitsbedenken den chinesischen Konzern Huawei beim Ausbau des 5G-Netzes aus. In der Debatte geht es aber nicht nur um Sicherheitsbedenken, sondern um eine Reihe globaler politischer Entwicklungen, die in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werden. Jan-Peter Kleinhans hat dazu eine Leseliste zusammengestellt.

Eurasia Group - The Geopolitics of 5G (PDF)

ECIPE - 5G and National Security: After Australia’s Telecom Sector Security Review

Mark Wu - The “China, Inc.” Challenge to Global Trade Governance

PwC and BAE Systems - Operation Cloud Hopper

UK Huawei cyber security evaluation centre oversight board: annual report 2018

Esther Majerowicz - Chinese Industrial Policy In The Geopolitics Of The Information Age: The Case Of Semiconductors

Jyh-An Lee - Hacking into China’s Cybersecurity Law

Jefferies - Telecom Services: The Geopolitics of 5G and IoT

Peter Pawlicki - Challenger Multinationals in Telecommunications: Huawei and ZTE

United States Trade Representative - Update Concerning China’s Acts, PoliciesAnd Practices Related To Technology Transfer, Intellectual Property, And Innovation
 

Überblick: Aktuell veröffentlichte Papiere, Medienbeiträge und kommende Veranstaltungen

Stromhungrige Bitcoin-Miner landen auf dem Müll (Gastbeitrag): Weniger Energieverbrauch, mehr Elektroschrott: Der jüngste Kurssturz von Bitcoin ist zwar gut fürs Klima, aber schlecht für die Umwelt. Die Politik sollte handeln, argumentiert Fabian Reetz in einem Artikel für die Branchenzeitschrift bizz energy.
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64 praktische Vorschläge für eine bessere Kontrolle der Massenüberwachung (Gastbeitrag): In einer umfangreichen Studie haben Thorsten Wetzling und Kilian Vieth analyisiert, wie andere Staaten Geheimdienste kontrollieren und was Deutschland davon lernen kann. Ihre Ergebnisse haben sie für Netzpolitik.org zusammengefasst.
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Die Wahrheit hat 2029 nur dann eine Chance, wenn Tech-Konzerne Verantwortung übernehmen (Gastbeitrag): Schon heute haben es recherchierte Fakten gegen „Lügenpresse“-Rufer schwer. Wie sieht das nur in zehn Jahren aus? Alexander Sängerlaub hat für das Magazin Wired eine Dystopie entwickelt.
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Entmystifiziert die Spione (Gastbeitrag): Bei der Kontrolle der deutschen Nachrichtendienste durch Parlament und Regierung ist in Deutschland noch immer viel zu tun. Das zeigt ein Vergleich mit anderen Ländern. Ein Meinungsbeitrag von Thorsten Wetzling für die TAZ.
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Aktuelle Stellenausschreibungen: Derzeit schreiben wir einige Stellen aus: Die Leitung des Projekts "Stärkung digitaler Öffentlichkeit", eine Stelle im Projektmanagement des Bereichs Überwachung & Nachrichtendienstkontrolle sowie mehrere Stellen für Studentische Hilfskräfte und ein Praktikum.

 

Woran wir uns nicht mehr erinnern

1895 – Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert formulierte der schwedische Physiker und Chemiker Svante Arrhenius eine Theorie, die den Treibhauseffekt des globalen Klimas erklärte. Arrhenius erkannte, dass das menschliche Verhalten einen verstärkenden Einfluss auf die Erderwärmung haben werde. Er schätzte, dass die Temperatur weltweit um etwa 5 Grad Celsius steigen würde, war aber der Ansicht, dass diese Entwicklung positiv sei, da so “angenehmere” Temperaturen herrschen würden. Erinnert sich Johanna Famulok.