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Die politische Willensbildung und unsere repräsentative Demokratie werden sich in der Zukunft weitreichend verändern. Erstmals ermöglichen neue Kommunikationstechnologien eine umfassende Emanzipation der Bürger von den politischen Parteien und ihren etablierten Handlungsroutinen. In Zukunft hat der mündige, engagierte Bürger neben dem Ortsverein immer mehr Alternativen, um an der (partei-)politischen Willensbildung teilzunehmen, etwa durch Mitwirkungsmöglichkeiten, die Social Networks und virtuelle Kampagnen bieten. Die politischen Parteien werden sich darauf einstellen müssen, wenn sie ihre Handlungsfähigkeit bewahren wollen. Während auf der einen Seite der klassische Ortsverein durch seine überalternde Mitglieder- und lokal-gebundene Organisationsstruktur für die „Generation Google“ immer unattraktiver wird, bilden sich außerhalb der Parteistrukturen immer neue Alternativen des temporären, themenbezogenen politischen Engagements, die vollkommen anderen Logiken folgen als denen des traditionellen parteipolitischen Handelns: dezentraler Selbstorganisation statt zentraler Top-Down-Führung, Abgabe und Streuung von Kontrolle statt kontrolliertem Agenda-Setting.
Die zentrale Herausforderung für alle politischen Parteien in Deutschland ist es, angesichts dieser gegenläufigen Entwicklungen als Hauptträger der politischen Willensbildung gerade für die jüngere Generation relevant zu bleiben. Die neuen, meist technologiegetriebenen Netzwerke von politikinteressierten Bürgern stellen einen starken Hebel dar, Politik in eine Handlungslogik zu zwingen, die sich der traditionellen Sprach- und Organisationslogik der Parteien und ihres politischen Personals entzieht. Die für unsere Demokratie und die Parteien zentrale Aufgabe ist, in dieser Entwicklung weniger eine Gefahr, sondern eine Chance zu sehen mit dem Ziel, die Parteiendemokratie in Deutschland zu revitalisieren. Folgende Fragen können dabei im Vordergrund stehen: Sind Facebook & Co. die neuen Konkurrenten der Parteien? Wie verändert sich das politische Interaktions- und Informationsbedürfnis einer zunehmend technologiegetriebenen Generation? Welche Anforderungen ergeben sich daraus an die politische Kommunikation? Was sind die politischen Räume der Zukunft? Wie müssen sich die Führungs- und Organisationsstrukturen der Parteien ändern?