Soziale Mobilität: Gesellschaftliche Aufstiegschancen und Aufstiegsdynamik in Unternehmen



Im internationalen Vergleich ist die Bundesrepublik ein Land mit einer besonders geringen sozialen Durchlässigkeit. Die Folgen sind dramatisch: viele Menschen haben von vornherein schlechtere Zukunftschancen, die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer und der gesellschaftliche Zusammenhalt wird schwächer.

Bisher konzentriert sich die öffentliche Debatte um die gesellschaftlichen Aufstiegschancen vor allem auf das Bildungssystem und die Politik. Dabei wird noch viel zu wenig thematisiert, dass ein großer Teil der Aufstiegshürden, aber auch der Aufstiegschancen, in der Berufswelt liegen und damit vor allem im Einflussbereich der Unternehmen.

Für die deutsche Wirtschaft ist die Frage nach der sozialen Mobilität immanent wichtig: Laut aktuellen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung werden durch den demografischen Wandel bereits im Jahr 2025 rund 6,5 Millionen weniger erwerbsfähige Personen zur Verfügung stehen als heute. Um diese Lücke zu schließen, braucht die Wirtschaft neben einer höheren Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland sowie einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen vor allem eines: eine bessere Ausschöpfung des bestehenden Fachkräftepotenzials durch mehr Ausbildung und Qualifizierung.

Gezielte Weiterbildungen durch die Wirtschaft wären nicht nur eine lohnende Investition in die „Human Resources“ eines Unternehmens, sondern sie könnten auch zu einem Aufstiegsmotor für viele Beschäftige werden.

Im Vordergrund des Projekts stehen folgende Fragen:

Rolle der Unternehmen: Welche Rolle spielen Unternehmen als Transmissionsriemen oder auch Hürden von sozialer Mobilität in Deutschland? Wie können Unternehmen das „Lebenslange Lernen“ fördern, um somit gerade auch den weniger qualifizierten Mitarbeitern einen nachhaltigen beruflichen Aufstieg zu ermöglichen?

Forschungsstand: Welche Ansätze werden in der Wissenschaft bereits diskutiert? Welche Best-Practice-Beispiele gibt es bei deutschen Unternehmen?

Umsetzung: Wie können Unternehmen davon überzeugt werden, dass ihr Engagement im Bereich der sozialen Mobilität in ihrem eigenen Interesse ist und sich daher lohnt? Welche konkreten Maßnahmen können Unternehmen ergreifen? Wie können diese Maßnahmen effektiv umgesetzt werden?

Ziel des Projekts ist es, für Politik und Arbeitgeber Ideen und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, wie soziale Mobilität in Deutschland über die Arbeitswelt verbessert werden kann. Darüber hinaus soll untersucht werden, ob sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer von neuen, die soziale Mobilität fördernden Aufstiegsmodellen profitieren könnten.

 

Projektbeirat

Das Projekt wird durch einen eigenen Beirat bestehend aus namhaften Experten begleitet. Mitglieder des Projektbeirates sind:

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender, Bündnis 90/Die Grünen
Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Berlin
Dr. Reinhard Pollak, Leiter der Projektgruppe "Nationales Bildungspanel: Berufsbildung und lebenslanges Lernen", Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender, ZU-Stiftung
Dr. Mark Speich, Geschäftsführer, Vodafone Stiftung Deutschland