Geoengineering



An der Schnittstelle von Klimasicherheit und technologischem Fortschritt gewinnt das Thema Geoengineering im globalen Diskurs um den Klimawandel stetig an Bedeutung. Die zentrale Frage ist: Können oder müssen wir dem Klimawandel durch den Einsatz technologischer Mittel Einhalt gebieten, um unsere Lebensgrundlage zu sichern?
Gemäß neuester Simulationen des „Climate Interactive Project" in den USA werden wir trotz der veranschlagten Reduktionen von Treibhausgasen gegen Ende dieses Jahrhunderts eine Steigerung der globalen Durchschnittstemperatur um 4,1 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit erleben. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Konsequenzen mit Emissionsreduktionen allein abzuwenden sein werden. Geoengineering soll hier laut der Befürworter Abhilfe schaffen.
Geoengineering ist ein Sammelbegriff vornehmlich für Technologien, die versuchen, dem Klimawandel durch aktiven Eingriff in den Strahlungshaushalt der Erde und der Sequestrierung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu begegnen. Dazu gehört beispielsweise die Düngung von Meeren, um das Algenwachstum und dadurch CO2-Aufnahme zu steigern, oder auch die Einbringung von Schwefeldioxid in die Stratosphäre, um die Sonneneinstrahlung zu reduzieren.
Kritiker befürchten allerdings nicht vorhersehbare Nebenwirkungen und die Gefahr unkoordinierten, unilateralen Handelns mit unkontrollierbaren globalen Auswirkungen. Zudem werten sie die Geoengineering-Debatte als Versuch, von einschneidenden Klimaschutz-Programmen abzulenken. Auch in der europäischen Öffentlichkeit stößt Geoengineering auf große Skepsis. Eine Debatte über Chancen und Risiken findet kaum statt. Die Wissenschaft hingegen räumt Geoengineering einen zunehmenden Stellenwert ein. So hat beispielsweise der Weltklimarat Geoengineering als Thema für den 5. Sachstandsbericht angesetzt.

Die hochkomplexen Fragen technologischer, politischer, rechtlicher und ethischer Natur, die das Projekt aufwirft, sollen in einem interdisziplinären Rahmen erörtert werden.

Im Vordergrund stehen dabei folgende Fragen:

  • Potenziale: Was sind die Leistungspotentiale verschiedener Technologien? Welche besonderen Chancen ergeben sich für den Technologiestandort Deutschland?

  • Risiken: Welches sind verantwortbare Realisierungsmöglichkeiten verschiedener Technologien? Erwächst aus der Technologieführerschaft Deutschlands eine besondere Verantwortung für die Debatte um Geoengineering?

  • Kommunikation: Wie kann ein derartig komplexer und umstrittener Forschungsansatz umfassend und transparent debattiert werden? Welche Rolle könnte Deutschland und der deutschen Industrie in der internationalen Debatte zukommen?

Eine Bewertung von Geoengineering als mögliches Instrument von Klimapolitik kommt in Deutschland einem politischen Tabubruch gleich. Ziele des Projektes sind daher:

  • das Anstoßen einer neutralen Debatte über Chancen und Risiken sowie unklare Potenziale;

  • das Aufzeigen von Handlungsoptionen im Sinne einer Vorsorgepolitik, wie Deutschland auf Initiativen anderer Staaten reagieren kann;

  • die Bereicherung des Diskurses zur Umsetzbarkeit und Kommunizierbarkeit von wissenschaftlichen Risiken und Chancen.

Projektbeirat

Das Projekt wird durch einen eigenen Beirat bestehend aus namhaften Experten begleitet. Mitglieder des Projektbeirates sind:

PD Dr. Mark Lawrence, Wissenschaftlicher Direktor, Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.
Dr. Matthias Miersch
, Umweltpolitischer Sprecher, SPD-Bundestagsfraktion
Prof. Dr. Dr.h.c. Volker Mosbrugger, Direktor, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Prof. Dr. Stefan Rahmstorf, Professor für Physik der Ozeane, Universität Potsdam sowie Co-Chair des Forschungsbereichs Erdsystemanalyse, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Christian Schwägerl, Politik-, Wissenschafts- & Umweltjournalist, DER SPIEGEL