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In den letzten anderthalb Jahrzehnten haben sich die Aufgaben der Bundeswehr fundamental gewandelt. Jahrzehntelang ausschließlich für die klassische Territorialverteidigung konzipiert, ist die Bundeswehr heute in vielen Ländern außerhalb Europas dauerhaft im Einsatz. Die Transformation der Bundeswehr erfolgt dennoch nur schleppend, nicht zuletzt weil kein Konsens darüber besteht, was eigentlich letztlich das Ziel des Prozesses ist. Während der größte Teil der politischen Elite die Bundeswehr inzwischen als legitimes Instrument deutscher Sicherheitspolitik betrachtet, fehlt eine intensive gesellschaftspolitische Debatte über die zukünftige Rolle der Streitkräfte. Welche Bedeutung die Bundeswehr hat, welchen Aufgaben sie nachkommen soll, welche Mittel dafür benötigt werden und wofür die Bundeswehr nicht eingesetzt werden soll oder kann, wird allenfalls unter Experten diskutiert. Das von Bundespräsident Köhler geprägte Wort vom „freundlichen Desinteresse“ der Bevölkerung gegenüber ihren Soldaten unterstreicht die mangelnde Thematisierung dieser Fragen in der gesellschaftlichen Debatte.
Die Bundeswehr sieht sich mit einer Vielzahl von innen- und außenpolitischen sowie operativen Anforderungen konfrontiert. In der Außenpolitik stehen ambitionierte Ziele und langfristig verfügbare Mittel nicht im Verhältnis zueinander. Im Inneren steht die Bundeswehr ebenfalls vor großen Herausforderungen.
Zwar halten die großen Volksparteien weiterhin an der Wehrpflicht – wenn auch in unterschiedlich konzipierten Formen – fest. Angesichts der kaum noch vorhandenen Wehrgerechtigkeit und den Anforderungen an eine moderne Armee im Einsatz kommt diese Position jedoch zunehmend unter Druck. Wie die Armee in Zukunft in der Gesellschaft verankert werden und in den kommenden Jahrzehnten auf den demographischen Wandel reagieren sollte, bleibt einstweilen ebenfalls völlig offen.
In Anbetracht neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen an eine „Armee im Einsatz“ ist es dringend notwendig über die Zukunft der Bundeswehr und ihrer Verankerung in einer sich wandelnden Gesellschaft nachzudenken. Der Afghanistan-Einssatz bietet in diesem Zusammenhang eine konkrete Fallstudie, welche die gegenwärtigen Herausforderungen wie unter einem Brennglas hervorhebt und wichtige Fragen in den Vordergrund rückt: Wie muss die Bundeswehr in Zukunft ausgerichtet werden? Wie kann der gesellschaftliche Rückhalt der Bundeswehr gestärkt werden? Welche Lehren muss die deutsche Sicherheitspolitik aus dem Afghanistaneinsatz ziehen? Welche Zukunft hat die Wehrpflicht, und welche Herausforderungen ergeben sich aus möglichen Ersatzmodellen für die Operationsfähigkeit der Bundeswehr und ihre Verankerung der Gesellschaft?