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Geopolitik und Finanzkrise



Mit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise setzt sich in den außenpolitischen Entscheidungszentren der Welt zunehmend die Erkenntnis durch, dass die Instabilität der Weltwirtschaft zu den wichtigsten außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft gehört. Während das aktuelle politische Handeln beim Umgang mit der Krise durch Maßnahmen bestimmt wird, die auf die Stabilisierung der nationalen Finanz- und Gütermärkte abzielen, fehlt es jedoch an einer systematischen Analyse der außen- und sicherheitspolitischen Dimension der aktuellen Krise. Dabei ist die Krise in zweifacher Hinsicht außenpolitisch relevant: So droht einerseits etlichen Staaten eine soziale und politische Destabilisierung durch die steigende öffentliche Verschuldung, wachsende Arbeitslosigkeit und Vertrauensverlust in das politische und wirtschaftliche System, andererseits wird die außenpolitische Handlungsfähigkeit vieler Staaten eingeschränkt.

Für die Bundesrepublik Deutschland, Mitglied der G-8 und eine der größten Volkswirtschaften der EU gilt dies umso mehr, da Deutschlands Stellung in der Welt maßgeblich ökonomisch bedingt ist. Vor diesem Hintergrund reicht es nicht mehr aus, allein innenpolitische Aspekte in die Bewertung der Finanzkrise einzubeziehen. Wenn man verstehen will, in welchem strategischen Umfeld Politik und Unternehmen in der Zukunft agieren werden, ist eine umfassende Analyse der aktuellen Krise notwendig, die außen-, sicherheits- und entwicklungspolitische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Es stellt sich zudem die Aufgabe, die politischen Implikationen und Risiken für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland darzustellen. Dabei sollen alle „prioritären“ Interessen Deutschlands im Zusammenhang mit der Krise definiert und konkrete Handlungsempfehlungen für die wichtigsten Akteure der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik entwickelt werden. Folgende Fragestellungen sind in diesem Kontext von besonderer Bedeutung: Wie wird sich die globale Machtverteilung im Zuge der Finanzkrise verschieben? Welche Chancen und Risiken ergeben sich für die deutsche Wirtschaft? Werden finanzielle Ressourcen die neue „politische Waffe“ des 21. Jahrhunderts? Ist die deutsche Außen- und Finanzpolitik auf die „Metamorphose der Geopolitik“ vorbereitet?